Mittwoch, 11. März 2015

Happy Holi-Days

Was? Schon wieder Urlaub? Ja genau, wir lassen es uns mal wieder so richtig gut gehen. Nein, dieses Mal sind wir nicht in Thailand. Wir sind auf den Andamanen, einer kleinen Inselgruppe, die zu Indien gehört - auch wenn sie geographisch gesehen viiiiiiiel näher an Thailand und Myanmar gelegen ist. Und wer hätte gedacht, dass wir ausgerechnet in Indien das Paradies finden würden? Oder ist es vielleicht das Paradies, da wir in Indien sind? Schwer zu sagen...




Viel einfacher lässt sich hingegen unser Tagesablauf hier beschreiben: Jeden Morgen wachen wir um ca. 7:00 Uhr auf, da um diese Uhrzeit die Sonne schon ganz schön auf unsere Holzhütte knallt. In Indien gibt es ja nur eine Zeitzone und da die Andamanen sehr viel weiter östlich liegen (s.o.) als Dehli geht hier bereits um knapp 5:00 die Sonne auf (und unter). Wir schultern unsere Badetaschen und laufen ins Dorf, wo wir uns mit leckeren Dosas, Chapatti oder Idlis mit Dhal, Sambar und Kokosnusschutney stärken - ein Traum, der selten mehr als 1-2 Euro für uns beide kostet; inklusive Chai Masala. Havelock, die Insel der Andamanen, auf der wir uns gerade befinden, ist so klein, dass es mit dem Bus nur knapp zwanzig Minuten ins Paradies sind - und zwanzig Minuten sind es auch nur, da der !!!vom Festland Indiens ausrangierte Bus!!! an jeder noch so kleinen Steigung gegen die Schwerkraft zu kämpfen hat. 




Nach einem kurzen Fußmarsch erreichen wir unsere Lieblingsbucht, die Timo die "Blaue Lagune" getauft hat. An einem umgefallenen Baum befestigen wir unsere Hängematten und bewundern das Wasser der Lagune mit seinen vielen Blautönen und den weißen Strand, an dem nur vereinzelt ein paar andere europäische Urlauber im Schatten der Bäume nisten. Inder sind ein bisschen wie Chinesen: Sie mögen es gern eng und kuschelig. Daher klumpen sie alle an einem Strandabschnitt, zu dem sie auch nicht so weit laufen müssen. Wenn uns das Nichtstun (wir lesen wohlgemerkt sehr viel) hin und wieder ins Schwitzen bringt, stehen wir auf und kühlen uns im glasklaren Meer ab - oder lassen uns, in unserem Schwimmreifen liegend, vom glasklaren Meer abkühlen ;-) So muss das sein! Nachmittags dann Samosas und frischer Mangosaft am Dorfplatz, wobei wir dem geschäftigen Treiben und den vorbeiziehenden Frauen in ihren bunten Saris zusehen, welche uns einen schönen Vorgeschmack aufs Festland bieten. Abends dann super leckeres indisches Essen (sogar Timo hat daran mittlerweile richtig Gefallen gefunden) unter Palmen. Die meiste Zeit haben wir mit Holger und Stella aus Berlin verbracht, die Reisegeschichten zum Besten gaben. Unsere Liste mit "Places to go" erweitert sich also ständig.




Eines Abends trafen wir dabei auf Sanjee und seine Frau. Die beiden haben sich am Telefon aus Zufall kennengelernt (komisch, die Geschichte kommt uns bekannt vor) und aus Liebe!!! geheiratet, soll auch in Indien vorkommen und nimmt, wenn man sich die vielen Lovebirds am Strand so ansieht, stetig zu. Wie dem auch sei, Sanjee und seine Frau können nicht schwimmen, haben sogar Angst vorm Wasser und allergisch gegen Sonne sind sie auch. Warum sie ausgerechnet hier ihren Urlaub verbringen, wo man, so beklagt sich seine Frau, ja noch nicht mal gut shoppen kann, ist uns ein Rätsel. Zum Glück trafen die beiden uns am nächsten Tag am Strand und haben somit ihre Kollektion an Urlaubsfotos erweitern können. Zu dem Foto der Klimaanlage ihres Hotelzimmers, mit dem sie schon ordentlich am Vorabend bei uns geprahlt haben, kamen hinzu: Sanjee und seine Frau, die ganz ungeschickt in unseren Hängematten liegen; Timo, der so tun sollte als schliefe er in seiner Hängematte; Timo, der mutige Europäer im Wasser, etc. Wir hatten einen Heidenspaß mit den beiden. Sanjee prahlte jedoch auch mit einem großen Stück Koralle, dass er beim Schnorcheln mit dem Fuß aus dem Wasser gefischt habe und jammerte, dass sein Bein nun jucke. Timo erklärte ihm darauf hin, dass das große Stück Koralle bestimmt Giftspuren hinterlassen habe, daher das Jucken auf der Haut. Sanjee, der Gutgläubige, klaut bestimmt nie wieder Korallen und hat hoffentlich die Kortisonsalbe, von der wir geschwärmt haben, gefunden ;-) Irgendwo hört der Spaß auch auf! 




Heute war Holi - ein Tag wie kein anderer. Manche unter euch mögen das Holi-Festival kennen, wie es mittlerweile an vielen Orten in Deutschland zum Trend geworden ist: relativ hohe Eintrittsgebühren zu einem eingezäunten Wiesenstück; zwei Farbbeutel inklusive, Technomusik, Pommes-, Bier- und Cocktailstände und weiß gekleidete, tanzende Menschen. Einmal stündlich wird von zehn heruntergezählt, woraufhin bei Null alle ihre Farbbeutel in die Luft werfen. Eine sehr spaßige Angelegenheit, die hier aber ganz anders vonstatten geht. Hierzulande ist Holi ein religiöses Fest, an dem daran erinnert wird, dass Gut über Böse siegt (einfache Variante einer langen hinduistischen Erzählung); eine Art Freundschaftsfest und zugleich Frühlingsanfang. Für einen Tag sehen alle gleich aus und die Kasten verschwinden; selbst uns konnte man kaum von den Indern unterscheiden. Mich hat es irgendwie ein bisschen an Weihnachten erinnert, wenn man sich über drei Tage hinweg "Frohe Weihnachten" wünscht, denn jeder, dem wir heute begegnet sind, wünschte uns "Happy Holi" - bis auf den Unterschied, dass man sich dabei nicht die Hand gab, sondern sich gegenseitig mit Farbe bewarf, bespritzte oder sich Farbe ins Gesicht strich, gefühlt ca. alle 10 Sekunden. Hier auf der kleinen Insel ging das Fest auch ganz friedlich zu, ohne Gedränge und Zerren; eine nette bunte Schlammschlacht eben und ein toller Kulturkontakt obendrein ;-) Manche Familien verteilten Süßigkeiten und die ein oder andere Party mit obligatorischem Bhang war auch dabei...




Nun liegen wir in unseren Hängematten: Unsere Gesichter schmerzen vom vielen Schrubben. Timos Oberkörper und sein Gesicht sehen aus als habe er sich geprügelt, denn Rot und Lila sind besonders hartnäckige Farben. Mein Haar hat rosa und orangene Strähnen, für die ich in Deutschland bestimmt viel Geld gezahlt hätte - und dass obwohl wir unsere Haare nach indischer Manier vorher mit Kokosnussöl eingerieben hatten, sodass die Farbe besser raus geht. Doch wir sind dankbar... - zum einen dafür, dass wir dieses Fest haben miterleben dürfen und zum anderen dafür, dass es noch mehr als sechs Wochen bis zu unserer Heimkehr und somit den anstehenden Bewerbungsgesprächen sind ;-) Ab Morgen wollen wir drei Tage unters Wasser und den Rest des hiesigen Paradies' erkunden UND die viele Farbe wieder los werden!!!! Beim Schnorcheln in Strandnähe haben wir bereits metergroße Napoleonfische gesehen - ganz schön vielversprechend also. Bleibt nur noch zu hoffen, dass andere Taucher nicht allzu viele der Korallen entfernt haben, ne Sanjee ;-) 



In diesem Sinne wünschen wir euch einen baldigen Frühlingsbeginn.

Happy Holi, Timo und Hanna







Montag, 23. Februar 2015

Myanmar, ein Land, das anders ist als alle anderen


Unsere Zeit in Myanmar neigt sich dem Ende zu. Vor uns liegen 20 Stunden Busfahrt zurück in die Hauptstadt, von wo aus wir in wenigen Tagen nach Indien fliegen werden. Doch daran ist momentan noch gar nicht zu denken. Wie eine Prüfung stehen uns die 20 Stunden Busfahrt bevor, nur dass eine Prüfung von der körperlichen Anstrengung her wohl wesentlich besser wegzustecken wäre. Das erste, was wir nach Betreten des Busses tun, ist die Luft, die aus der Klimaanlage in unsere Gesichter bläst, mit Klopapier zu blockieren. Frieren im Bus ist Prestige und dafür zahlen die Birmanen gerne viel Geld. Eine 20-stündige Busfahrt im Air-Con Express Bus kostet 30 Dollar, was in Anbetracht der Tatsache, dass beispielsweise ein Lehrer in Myanmar nur knapp 100 Dollar im Monat verdient, ein exorbitanter Preis ist - ganz zu schweigen von dem Zustand des Buses, der das Geld definitiv nicht wert ist. Aber solch einen Preis kann man eben verlangen in einem Land, das erst seit ein paar Jahren für Touristen geöffnet ist, welche viel zu zahlreich ins Land strömen und somit die Preise für Transport und Unterkünfte in die Höhe schießen lassen (Jedes Jahr verzeichnet Myanmar ein Plus von 1 Millionen ausländischen Touristen!).



Auch Timo hat die Klimaanlage teuer bezahlt, denn er hat seit einigen Tagen eine Angina und lässt nun mit Buff und Decke über dem Gesicht und bis oben zugedröhnt mit Aspirin Komplex das Ruckeln über sich ergehen. Neben uns hat gerade einer seine Bazillen in den Vorhang gerotzt; die besten Voraussetzungen also zum Heilen... Und als ob das noch nicht genug wäre, dröhnt aus den Lautsprechern in ohrenbetäubender Lautstärke Musik, die selbst die besten Oropax nicht auszublenden vermögen. Irgendwie muss der ganze Lärm in Asien ja Schäden hinterlassen. Der Busfahrer und die anderen Insassen scheinen es nicht sonderlich laut zu finden. Manch einer hat sogar den Mumm, noch seine eigene Musik im Kanon dazuzuspielen. Naja, die Musik ist immerhin unterhaltsamer als die zuvor gezeigte Show, bei der sich eine Reihe Birmanen gegenseitig mit Blechschüsseln auf die Köpfe schlug, wobei jeder Schlag einen unreell klingenden Special-Effekt Sound entsandte, der fast schon wieder lustig war. Augen (und Ohren) zu und durch, würd ich mal sagen... 




Wesentlich entspannter und erfreulicher war im Gegensatz dazu unser Aufenthalt in Mrauk U, einem kleinen abseits der Touristenpfade gelegenen Dorf an der Grenze zu Bangladesch. In diesem Dorf scheint die Zeit wahrlich stehengeblieben zu sein. Während unserer fünf Tage dort saßen wir am allerliebsten morgens auf dem Balkon unseres Hostels, von dem aus wir das morgendliche Treiben haben beobachten können: An einem kleinen Tisch sitzt eine Frau und verteilt fleißig Schalen mit Nudeln an ihre Kunden. Frauen, die Waren in riesigen Körben und Schalen auf dem Kopf transportieren, passieren die Frühstücksrunde; am einprägsamsten ist dabei das Bild jener Frauen, die silberne Wasserkrüge auf ihrem Haupt balancieren. Männer radeln Schulkinder, deren Wangen mit Thanaka-Kreisen bemalt sind, auf ihren Trishaws zur Schule. Andere Männer wiederum ziehen Karren mit gelben Wasserkanistern im Takt der Trishawfahrer an uns vorbei. Dem vom aufgewirbelten Staub beigen Straßenbild setzen sich die blutroten Betelnuss-Spuckflecken und das Dunkelrot der Mönche, die um Almosen bitten, entgegen. In der Ferne klingt der Mönchsgesang aus dem Kloster. Ansonsten ist es noch ganz still. Es gibt hier kaum Motorräder.




Und wenn wir nicht gerade auf dem Balkon saßen, waren wir mit dem Fahrrad unterwegs und haben, was sonst, Pagoden, Tempel und Buddhastatuen gejagt. An zwei Tagen wurden wir dabei von Olivia und Christoph aus Österreich begleitet, zwei Langzeitreisende, die wir vor zwei Montane in Laos kennengelernt und in Mrauk U aus Zufall wiedergetroffen haben. Am schönsten war dabei der Sonnenaufgang, den wir uns eines morgens von einem der vielen Pagodenhügel angeschaut haben. 
Noch vor Sonnenaufgang hüllt Nebel die mit Stupas und Palmen bespickten Hänge ein, wodurch die Landschaft zunächst sehr kühl erscheint. Doch sobald die Sonne aufgegangen ist, taucht sie das Dorf in warme Farben und ein neuer warmer Tag beginnt... Einfach magisch!




Ein weiteres Highlight unserer Zeit in Mrauk U war der Besuch eines Dorfes, in dem Frauen der sogenannten Chin-Minderheit leben. Das besondere an den Chin ist, dass es unter ihnen alte Frauen gibt, deren Gesichter mit Spinnenweben tätowiert sind. Auch wenn es für uns wie eine Dekoration aussehen mag, kann davon wohl keine Rede sein, denn diese Frauen wurden als junge Mädchen zum Schutz vor den gewalttätigen japanischen Soldaten unter drei-tägigem Ritual und wahrscheinlich jeder Menge Schmerzen tätowiert. 




Glücklicherweise sind die Dörfer, in denen die wenigen Frauen leben, die es unter ihnen heute noch gibt, noch nicht dem Massentourismus zum Opfer gefallen, wie es in Thailands zoo-artigen Minoritätendörfern der Fall ist. Das mag u.a. daran liegen, dass bis vor wenigen Monaten der Rakhine-Staat und damit die Umgebung um Mrauk U Touristen noch gar nicht zugänglich war. Wie dem auch sei, auch wir machten uns an einem Tag mit drei sehr netten jungen Reisenden, darunter Silvano aus der Schweiz und der witzige Youto aus Japan, und einem ortskundigen Guide per Boot auf Erkundungstour und fanden nicht nur die Frauen mit den Tätoos, sondern wurden Beobachter des erstaunlichen und bewundernswerten Lebens auf dem Fluss und trafen auf eine Horde quirliger Kinder, mit denen wir jede Menge Spaß hatten. 




Unser Fazit nach unserer Reise durch Myanmar: Wer es gerne einfach mag, sprich gute Busse und gute Straßen im Reiseland seiner Wahl erwartet, dem sei von Myanmar abgeraten. Zwar wird an den Straßen fleißig gewerkelt (wohlgemerkt von Frauen, denn sie müssen nicht so hoch bezahlt werden wie die hiesigen Männer), doch ein Schnitt von 35-45 km/h ist hier die Norm. Wer es auf kulinarische Highlights absieht, der fahre lieber nach Indien oder Thailand, denn die burmesische Küche ist eher fad und ölig. Wer jedoch Südostasien auf ursprüngliche Weise erleben und Zeuge altertümlicher Lebensweisen werden möchte, ohne dass ihm/ihr dabei an jeder Ecke Snickers, Pringles und die gängigen westlichen Gerichte ins Gesicht springen (Coca Cola und "Fritierte Franzosen" a.k.a. French fried gibt es überall), der fahre nach Myanmar. Hier haben wir das Gefühl gehabt, Südostasien in seiner authentischsten Art, so wie viele ältere Reisende von Thailand und seinen Nachbarn von vor 20 Jahren schwärmen, erleben zu dürfen und wir sind sooooo froh darüber, denn es war wunderbar! Rudyard Kipling, der Erfinder von Mogli, sollte also recht behalten, als er 1898 in Briefe aus dem Orient schrieb: "Das hier ist Burma, ein Land, das anders ist als alle anderen, die du kennst." 

Auch wenn er sich dabei primär auf die Shwedagonpagode bezog, hatte er nicht unrecht, denn die Pagode ist einfach der Wahnsinn. Das 100m-hohe und mit 60 Tonnen verzierte Wahrzeichen Yangons ist zumindest eines der beeindruckendsten Heiligtümer, welches wir je gesehen haben. 



Next Stop: India!!!!! ;-) Da wir uns momentan noch nicht bereit fühlen, dem Verkehrschaos, den endlosen Hupkonzerten, der Tränen- und Schweiß erzeugenden Schärfe, dem Durchfall hervorrufenden Wasser und dem gnadenlosem Gedrängel von Mainland India entgegenzutreten, haben wir uns kurzerhand dazu entschieden, zwei Wochen unserer Zeit in Indien auf den Andamanen zu verbringen. Langsam wollen wir uns an Indien gewöhnen...

Von dort dann bald wieder Neues...

Ein nachträgliches Helau, Timo und Hanna



Samstag, 14. Februar 2015

Im Land der tausend Pagoden


Wir hatten schon gar nicht mehr daran geglaubt, doch ca. eine halbe Stunde vor unserer Abfahrt zum Flughafen in Bangkok erhielten wir die Nachricht: Visa approved! Yes! Wir hatten viel recherchiert und waren uns ziemlich sicher, dass wir, wie in vielen anderen asiatischen Ländern, einfach nach Yangoon, der Hauptstadt Myanmars, fliegen könnten und bei Ankunft am Flughafen ein Visum erhalten würden. Pustekuchen! Durch Zufall sind wir am Tag der Abreise auf die Tatsache gestoßen, dass diese Regelung nur für Dienstreisende und nicht für Touristen zutrifft und wie der Zufall es so will, war die Bearbeitung eines Online Visums für drei Tage angesetzt. Wir wollten es dennoch versuchen und hatten Glück: 3 Stunden, nicht länger, hat die Bearbeitung unseres Visumauftrags gedauert und es ging weiter gen Westen...




Seit knapp einer Woche sind wir nun also in Myanmar und seit ebendieser Zeit befinden wir uns sozusagen auf Tempelsafari. Ob bei burmesischem Hip Hop im Tuk Tuk, zu Fuß, per LKW oder auf dem Rad, entdeckten wir in den vergangenen Tagen bei schweißtreibender Hitze bis zu 2 km lange Höhlentempel mit Spinnen und Fledermäusen um Hpa-an, einen 180m langen liegenden Buddha in Mudon, den berühmten goldenen Felsen von Kyaikto (welcher der Legende nach, von einem Haar Buddhas getragen wird) sowie Klöster und Kloster- bzw. Tempelruinen aus dem vergangenen Jahrtausend in Moulamine und Bagan. Und egal wo es uns hintrieb, überall begleiteten uns Franzosen, darunter Alex und Mathilda, mit denen wir gleich ein paar Tage verbrachten, und goldene Pagoden, deren Anzahl die der Einwohner deutlich überschreitet - wahrscheinlich gibt es hier sogar noch mehr Pagoden als Schafe in Neuseeland ;-) 





A propos Neuseeland: Es fehlt uns. Das Sich-Wiedereinfinden in Asien ist schwieriger als gedacht, zu sehr vermissen wir die unendliche Natur, die Stille, saubere Schlafgelegenheiten und Toiletten. Doch wir tun unser bestes, Asien erneut zu schätzen und jede freie Minute zu genießen. Die Mitreisenden und die Einwohner des Landes machen es einem dabei nicht sehr schwer...





Bevor wir nach Myanmar kamen, haben wir uns gefragt, wie die Burmesen wohl aussehen und waren uns ziemlich sicher, dass sie den Thai ähneln würden, so wie die Laoten, die Vietnamesen, die Indonesier und die Einwohner Kambodschas alle irgendwie etwas mit den Thai gemeinsam haben. Doch wir lagen falsch. Schaut man einen Burmesen von unten nach oben an, fällt zuallererst der Rock auf und man könnte meinen, es handle sich um einen Inder, denn (fast) alle Männer tragen sogenannte longys, lange Wickelröcke, die wir derart bisher nur aus Indien und Sri Lanka kennen. Folgt man nun dem Rock gen Kopf, hat man das Gefühl, vor einem säße ein deutscher Beamter: Karohemden bzw. gestreifte Hemden scheinen hier nämlich sehr inn zu sein. Und dann die Überraschung: ein Chinese, ein Inder, ein braungebrannter Thai,... oder zumindest ordnet unsere Erfahrung die Menschen basierend auf ihrem Gesicht vorerst diesen Ländern zu. 



Myanmar scheint wie ein Masala vieler asiatischer Länder und das nicht nur im Hinblick auf seine Einwohner. Das Essen ist sehr stark von indonesischen und thailändischen Einflüssen geprägt. Die Leere des Landes und der langsame Rhythmus, der das Leben außerhalb der Städte bestimmt, hat viel Ähnlichkeit mit dem, was wir vor kurzem in Laos erlebt haben. Die kleinen Teestuben am Straßenrand mit Plastik-Kindergarten-Stühlen und Tischen haben wir derart bereits in Vietnam gesehen und den Tee, den man dort erstehen kann, haben wir schon in China probiert. Die Vielzahl der goldenen buddhistischen Stupas und Pagoden, die die Hügel und Ebenen des Landes schmücken, erinnern uns an Sri Lanka. 




Alles in allem merkt man jedoch, dass man Indien immer näher kommt: Die Müllberge, die sich entlang der Straßen, Flüsse und Bahnstrecken sammeln, sind zum Teil immens, viele Gerüche sind atemraubend und beim Laufen auf der Straße muss man aufpassen, dass man nicht von dem Spuckstrahl eines Betelnuss kauenden Menschen getroffen wird. Das Fahren in der Holzklasse der Züge ähnelt eher einem Pferderitt, Fahrradtrikschas ersetzen motorisierte Tuk Tuks, in den Zügen versorgt man uns mit lokalem Essen, wir werden wieder häufiger angestarrt und fast alle lächeln uns mit einem ehrlichen breiten Grinsen an und sagen: Mingalaba, Hello! Und ein Bild wollen sie natürlich auch ;-)



Doch die Burmesen sind offener als die Inder sowohl was die Interaktion zwischen Männern und Frauen als auch das Ansehen der Frau anbelangt. Häufig sieht man Pärchen Hand in Hand durch die Straßen schlendern und auf den Straßen und in den Zügen sind ebenso viele Frauen wie Männer unterwegs. Die Frauen tragen keine Saris, sondern Kostüme aus Wickelröcken und Blusen oder (kurzärmeligen) T-shirts. Besonders auffällig und für uns neu ist die Gesichtsbemalung insbesondere der Frauen und Kinder mit Thanaka- Paste, zum Teil zum Schutz der Haut gegen die Sonne, zur Pflege oder zur Zierde. 



Momentan liegen wir gerade an einem Swimmingpool und erholen uns von unserem Tempelmarathon. In ein paar Stunden geht es weiter - für Timo als geschichtskundigen Reiseleiter und für mich, naja, als treuer Disziple ;-)

Viele warme Grüße aus Myanmar, Timo und Hanna