Donnerstag, 2. Oktober 2014

Von Affen und Fischen

Salamat malam, guten Abend! 

Wie manche von euch bestimmt schon auf den Fotos gesehen haben, waren wir im Dschungel/ Regenwald. Nach unserem Aufenthalt in Medan war die Zeit in Bukit Lawang, einem kleinen Ort am Rande des Gunung Leuser National Parks, eine wirklich sehr erholsame. In unserem auf dem Berg gelegenen Bungalow im "On the Rocks" haben wir es uns erstmal in der Hängematte schön gemütlich gemacht, bevor es dann für 3 Tage in den Regenwald ging um Orang-Utans (indonesisch für "Waldmenschen") zu sehen.



Am ersten Tag holte uns unser Guide Baik in unserer Unterkunft ab. Durch das Gartentor im hinteren Teil des Grundstücks gingen wir zu Fuß direkt in den Dschungel/ Regenwald...zunächst durch eine Gummiplantage: Kautschuk fließt hier direkt aus den Palmen in kleine Schälchen, die die Bauern an Sammelstellen abgeben und pro Kilo gerade mal 4€ bekommen. Kurz darauf befanden wir uns mitten im Dickicht des Waldes und schon hüpften kleine Affen (Makakken, Thomas Leaf Affen, Simang und Gibbons) durch die Wipfel der Bäume und wir mussten aufpassen, nicht eine "hot shower" abzubekommen ;-) Auf unserem weiteren Weg an diesem Tag sahen wir schon eine Orang-Utan Mutter mit ihrem Kleinen, allerdings mit vielen Touris drum herum, was die Faszination etwas dämmte. Mich störten vor allem die Guides, die alle zusammen saßen und rauchten wie die Schlote. Das ist hier in Indonesien leider ein alltägliches Übel! Überall, selbst in den Bussen, quarzt die ganze Zeit irgendein Depp und viele Reisende stimmen gleich mit ein :-/ Erst gestern Abend haben wir allerdings festgestellt, dass der Geruch mittlerweile einfach dazugehört und wir ihn uns fast gar nich mehr wegdenken können...ist halt so ;-) Trotzdem war die Natur im Gunung Leuser National Park natürlich faszinierend! 



Am ersten und auch am zweiten Tag wurden wir leider gen Nachmittag ziemlich nass - aber es heißt ja nicht umsonst Regenwald. So wurden dann auch unsere sexy Regencapes eingeweiht und wir durften miterleben, wie ein Orang-Utan sich zu uns an den Wegesrand setzte, sich ein paar Zweige zusammensuchte, um sie über seinen Kopf zu halten und mit uns im strömenden Regen auszuharren. Da hatten wir letzteren natürlich sofort vergessen und waren ganz aus dem Häuschen einen Orang-Utan 1m von uns beiden entfernt sitzen zu sehen!!! Es hätte nicht viel gefehlt und er hätte uns die Hand  geschüttelt, was bei einer Verwandheit von ca. 96% mit uns Menschen auch nicht gerade verwunderlich gewesen wäre.



Zum Abschluss des zweiten Tages wuschen und badeten wir uns dann im Fluss, umgeben von Farnpalmen und Wasserfällen bevor wir unser 3***-Zelt mit Kopfkissen bezogen (in der ersten Nacht schliefen wir auf verwurzeltem Boden, was die Qualität des Schlafens ziemlich beeinträchtigte!). Dafür war das Essen durchweg spitze und vor allem Hanni war von den Fruchtarrangements unseres Koches Tom durchweg begeistert ;-)




Raus aus dem Dschungel ging es per Jungle Taxi, einem aus Reifen zusamengesetzten Schlauchboot ;-) Mittlerweile sitzen wir nicht mehr im Regenwald, sondern schauen auf türkisblaues Wasser! Das wird ja immer besser, werdet ihr jetzt denken - und Recht habt ihr :-P 


Nach einer ziemlich kalten Busfahrt durch die Nacht in den Norden Sumatras (genauer: nach Banda Aceh, evtl. im Atlas nachgucken ;-) ) - kalt wegen der aufgedrehten Klimaanlage - fuhren wir mit der Fähre auf die Insel Pulau Weh, wo wir uns seit genau einer Woche befinden. Die Insel ist ziemlich klein und viel kann man hier nicht machen, aber eine Sache steht hier ganz oben: die Unterwasserwelt! Zum Glück haben wir unsere Schnorchelsachen mit! Am ersten Morgen sind wir aus unserem Bungalow mit Meerblick direkt ins Wasser und es war einfach traumhaft schön! Doktorfische (Dori aus dem Film Nemo) und Nemos (Anemonenfische) soweit das Auge reicht, Muränen, Seesterne und -igel, und natürlich SCHILDKRÖTEN! Da wir zusammen mit unserem schweitzer Kumpel Olivier (15) schon um 6h30 morgens im Wasser waren (wir sind hier ja nicht zum Spaß!) hatten wir das Glück mehrmals welche zu sehen: wenn man sie entdeckt muss man sich geduldig zeigen und warten, warten und warten... Dann, für wenige Sekunden schwimmen sie nach oben um kurz Luft zu holen und in der Tiefe zu verschwinden. Ein unglaublicher Moment :-) Und weil's so schön ist, sind wir ganze 3 Tage in den verschiedensten Buchten und sogar an einem Unterwasser"vulkan" geschnorchelt! 





Eigentlich wollten wir dann weiterziehen, aber wir haben viele Reisende getroffen, die uns von den hervorragenden Tauchmöglichkeiten hier auf Pulau Weh erzählt haben. Hanni hat ja schon lange einen Tauchschein und hat lediglich einen kurzen Auffrischungskurs machen müssen. Seit heute bin auch ich stolzer Besitzer eines Tauscheins nach vielen Lesestunden im PADI-Handbuch, Theoriestunden und natürlich Praxisübungen im Wasser. Während Hanni also schon richtig mit einem Boot hinausfuhr und sich mit einem Guide in die Tiefe "stürzte", musste ich mich noch etwas gedulden... Wie faszinierend insbesondere die tiefere Unterwasserwelt ist, können die Fotos zwar nicht ganz zeigen, aber einen guten Eindruck bekommt ihr schon.




Morgen werden wir dann das erste Mal zusammen, selbstverständlich mit einheimischem Guide, bis fast 30m in die Tiefe gehen. Etwas nervös sind wir zwar noch wenn wir uns rückwärts aus dem Boot ins Wasser fallen lassen, die Luft aus dem BCD (buoancy control device; buoancy = Auftrieb) lassen und nach unten gehen, aber einmal dort angekommen, kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr raus: Feuerfische, Oktopusse, Muränen, Steinfische, Krabben, Napoleonfische, Federwürmer, Muscheln und vieles mehr. Zum Teil kann man durch Schluchten und an mit Seefarnen und Korallen besetzten Riffen vorbeitauchen und im Gegensatz zum Schnorcheln hat man überall um sich rum Fischschwärme. Schaut euch einfach die Fotos an...




Am Montag geht's dann wirklich weiter - auf die Insel Flores. 

Bis bald, eure Taucher und Schnorchler






Montag, 22. September 2014

Crazy Medan

Salam!

Oh goodness! Ob Worte unsere Erlebnisse in Medan ausdrücken können? "Crazy" wäre wohl ein Wort, was ganz gut passt oder auch "Welcome back to Asia". Wer gerne einmal Asien light erkunden möchte, dem empfehlen wir nach Sri Lanka zu reisen ;-) Wer Asien hardcore erleben möchte, dem sei angeraten, nach Medan zu reisen. Über den Rest von Indonesien können wir uns noch kein Urteil erlauben, aber hoffentlich wird es nicht in allem so extrem wie in Medan ;-) So auf jeden Fall hatten wir Asien in Erinnerung.

Der Verkehr ist das reinste Chaos: Fette Autos, überladene Mopeds, Baceks (Kutschenartige Mopedbetriebene Fahrgestelle), fahrbare Snackbuden, Minibusse, Lastwagen, etc. schlängeln sich, jeder so schnell oder auch langsam wie ihm beliebt, durch die Straßen, wobei so etwas wie Spuren inexistent sind. Dazu kommen Fußgänger, die den Straßenrand entlang balancieren, da die Bürgersteige meist als Verlängerung der Shops und Wohnhäuser dienen. Um Ampeln schert sich meist keiner so richtig. 
Die vielen verschiedenen Gerüche sind nicht gerade Appetitanregend und werden durch die vom Monsunregen getränkte, superschwüle Luft nur noch schlimmer.


Fast jeder, der in der untouristischen Großstadt auf ein besonders schönes Exemplar westlicher Spezies wie uns trifft, ruft gnadenlos "Miiiistäääär, where (do) you go?" und (heimliches) Fotografieren ist groß im Trend. Zu all dem Stress kommt hinzu, dass die Beschallung in Bus und Bistro zunehmend aus asiatischem Techno besteht. Wer hätte gedacht, dass wir die indisch angehauchten eintönigen Melodien aus Sri Lanka vermissen würden? ;-) Auch der Muezzinruf scheint an diesem Ende der Welt besonders verstärkt durch die Lautsprecher verbreitet zu werden - kein Wunder bei all dem Lärm, den er übertrumpfen muss um die Gläubigen zu erreichen.


Zum Glück mussten wir, dank Lya, unserer Couchsurferin, und ihrem Freund, Juni, bisher wenig selbst in die Hand nehmen. Zum Überqueren der Straße wurden wir im wahesten Sinne des Wortes "an die Hand genommen", inmitten der übermächtigen Fleischmassen, die in den Vitrinen der Warungs (Straßenrestaurant) vor sich hinschmoren, fand sie mir vegetarisches Essen und die vielen Phototermine mit Einheimischen managte sie gekonnt. 




Schließlich brachte sie uns ein gutes Maß der indonesischen Sprache Bahasa bei, sodass wir uns nun ohne sie verständigen können und, yay, nicht hungern müssen ;-) 

Indo mie kua tidak kelur - Instant Nudelsuppe, nein Ei
Teh tidak gula - Tee, nein Zucker
 ...


Und wenn wir in Medan nicht gerade eingequetscht in einem Becak oder auch in Junis klimatisierten Auto von A nach B fuhren, Junis Schulprojekt (Er ist Designer und kümmert sich um die Außengestaltung einer Grundschule) besuchten, Essen testeten oder (Lemon) Eistee an Straßenständen tranken, besuchten wir Tempel mit freizügigen Buddhastatuen und machten mit mindestens genauso oder eher noch freizügiger gekleideten anderen Tanzfreudigen, Zauberern, Bunnies, Ladyboys und Feuerspuckern in einem Club Party - Freibier vom DJ und Whiskey für Miiistääär, mich und unsere Freunde inklusive ;-) - und das in einem muslimischen Land, der pure Wahnsinn! Teachers in the house!!!! Ach ja, den horrenden Eintritt von 10 Euro, was für die Verhältnisse hier ziemlich viel ist, mussten wir auch nicht zahlen. Manchmal ist es eben auch ganz praktisch aus der Menge herauszustechen ;-)  







Nach der Party gab es eine Kater-Abwehr-Nudelsuppe auf einem Nightmarket, morgens um 4:00 - fast wie daheim, nur besser ;-) Unter den Umständen war es auch nicht so schlimm, dass wir uns zum Schlafen zu zweit auf eine Matraze in Lyas Zimmer quetschen und das nach Schimmel riechende Bad vor Eintritt nach Kakalaken scannen mussten ;-) Wir können es nur immer wieder sagen Couchsurfing ist einfach mittendrin statt nur dabei und war auch in diesem Fall wieder eine unvergessliche Erfahrung! Terima kasih Lya und Juni!


Momentan liegen wir in/auf einer (Hänge)Matte im Dschungel, wo wir erst einmal Zuflucht vor dem Großstadttrubel suchen. Hier sind das laute Zirpen der Insekten, das Plätschern des Wasserfalls, das Trommeln des nächtlichen Regens auf dem Wellblechdach und die Morgengymnastik der Affen auf selbigem die lautesten Geräusche. Den Muezzin hört man kaum noch. Es gibt keine Autos! Morgen geht es auf einen 3-tägigen Trek. Hoffentlich gibt es nicht allzu viele Blutegel und dafür gaaaaanz viele Orang-Utans zu sehen... 
Ach ja, bevor ich es vergesse, die Frau, die das Hostel managt, in dem wir zur Zeit untergebracht sind, hat doch allen Ernstes geglaubt, Timo hieße Nemo ;-) Ich weiß echt nicht was an diesem Namen so schwer ist... 

In diesem Sinne also viele Grüße aus Sumatra von Miiistäääär Nemo und Hanna. 



Mittwoch, 17. September 2014

Im Land des Tees

Unsere letzten Tage in Sri Lanka waren wohl hauptsächlich von einer Sache geprägt: Tee. Tee in flüssiger Form, mit Milch und super viel Zucker oder purer Schwarztee ohne alles; Tee an Sträuchern, in Plastiksäcken, auf Lastern oder auf dem Fließband und Tee, lose und getrocknet in seiner verkauf- und exportierbaren Form. 




Sri Lanka bzw. Ceylon, wie es zur Zeit der britischen Herrschaft hieß, ist euch vielleicht für seinen Tee bekannt. Eher unbekannt ist euch vielleicht der Anblick der saftgrünen mit Teesträuchern bewachsenen terrassenartigen Hänge, wie man sie hier im Hochland durchwandern oder mit dem Zug durchfahren kann. Grün, so weit das Auge reicht, nur ab und zu durchbrochen von weißen Tupfern - den Teepflückerinnen. Diese pflücken von morgens bis abends entweder reife dunkelgrüne Teeblätter oder junge hellgrüne Teespitzen, die dann beispielsweise wie in Dambatenne, einer von Asiens größten Teefabriken, zu schwarzem oder auch weißem Tee verarbeitet werden.





Für uns war diese Landschaft neu und umso schöner war es, sich fünf Tage in ihr zu verlieren, sich satt zu schauen und zu trinken :-) 


Unsere ersten Tage im Hochland haben wir in Ella in einer Höhe von ca. 1000m verbracht. Dort sind wir jeden morgen früh aufgestanden und haben unter anderem in der Morgensonne die Stille genossen, sei es am Little Adam's Peak, auf dem Ella Rock oder bei Spaziergängen entlang der Bahngleise. Keine Angst, die Züge hier fahren nur popelige 15km/h, kommen nur alle zwei Stunden vorbei und außerdem macht das hier jeder so ;-) Nur das Rattern und Ruckeln gelegentlich vorbeifahrender Züge oder auch die religiösen Gesänge, die aus den hinduistischen Tempeln der tamilischen Hochlandbewohner hallen, haben diese Stille durchbrochen. 





Noch grüner wurde es als wir nach Haputale (1500m) kamen, selbstverständlich mit dem Zug, selbstverständlich wie die Einheimischen in der offenen Tür stehend, die frische Luft und die Aussicht genießend ;-) 


In Haputale befindet sich die oben erwähnte Teefabrik und damit eine gigantische Teeplantage, atemberaubend sowohl in ihrem Ausmaß (1500 Teepflückerinnen) als auch in ihrer Lage. Ein Hang ist schöner als der andere und wenn dann auch noch die Wolken Einzug in die endlosen Hügel halten und die Landschaft in Nebel hüllen, kommt man aus dem Staunen kaum noch raus. Eine wunderschöne Wanderung durch die verwunschene Landschaft führte uns zum Lipton's Seat (1900m), von wo aus man zudem einen tollen Ausblick gen Küste hat. Hier soll Sir Thomas Lipton (ja, der auf eurem Teebeutel) früher die Aussicht von seinem Teeimperium aus genossen haben. Den Aufstieg dorthin teilten wir uns mit einer Menge heimkehrender Schulkinder und Teepflückerinnen auf dem Weg zur Arbeit.







A propos Aussicht: in Haputale waren wir in einem kleinen Häusschen am Hang mit Blick in die umliegenden Berge untergebracht. Allein um von der aufgehenden Sonne geweckt und, eingemummelt in den warmen Schlafsack, vom Bett aus die wunderbare Aussicht zu genießen, hätte sich die Anreise, ach was sag ich, der Besuch Sri Lankas gelohnt ;-) 




Die Abgeschiedenheit, die wir an diesem recht spartanischen Ort (ohne Internetzugang und nur mit kaltem Wasser) vorfanden, wurde nur noch von der reizenden Familie, die das kleine Dias Rest Guesthouse führt, perfektionniert. Razmy, Farina, Viraj, Umar,... haben uns auf eine so herzliche Art empfangen und in ihre Familie aufgenommen, dass es uns schwer fällt, von den Bergen und seinem Tee und damit auch auch von Sri Lanka Abschied zu nehmen. Aber wie es so schön heißt: Man soll dann gehen, wenn es am schönsten ist ;-) 


Auf die meistgestellte Frage: "How (do) you like Sri Lanka, SIR?" Können Sir UND Madam nur antworten: "We absolutely love it!!!!"


Nach einem kurzen Aufenthalt in Colombo, der Hauptstadt Sri Lankas, geht es morgen nach Medan, Sumatra, in Indonesien, wo bereits Lya, eine Couchsurferin, die uns zu sich und ihrer Familie eingeladen hat, auf uns wartet...

Bis dahin ein kräftiges "hello-bye", wie es uns Kinder und Erwachsene in ganz Sri Lanka in einem Atemzug lautstark entegegenriefen, euer Sir und eure Hanna.